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Der Traum vom selbst gebauten Ski

Manch ein Wintersportler träumt davon, seine eigenen Skier oder sein eigenes Snowboard herzustellen. Die Manufaktur Enlain in Laax bietet Kurse, um diesen Traum zu erfüllen.

Lucas (20) steht vor den Tablaren mit den Furnieren. Soll er für seine Skier eines aus Kirschbaum, Birnenholz, Eiche, Esche oder doch ein exotisches Vogelaugenahorn nehmen? Urs, einer der beiden Kursleiter, steht beratend zur Seite. «Manche Teilnehmer brauchen Stunden, bis sie sich für eine Oberfläche entschieden haben», sagt er lachend. Der Engländer Nick (55) wählt für sein Snowboard einen Mix aus Akazienholz und Apfelbaum. «Die Akazie war fast hundertjährig und der Apfelbaum stand in Bern», weiss Urs. 

Es ist ein Dezemberwochenende vor Weihnachten. In der Industriezone Laax tanzen die Schneeflocken, in der Halle der Manufaktur Enlain fliegen die Holzspäne. Acht Hobbyhandwerker nehmen teil am ausgebuchten Workshop, zwei bauen ihr Snowboard und sechs ihre Skier. Man ist per du miteinander, die Stimmung ist locker. Hier fällt ein Spruch, dort hilft man sich. Walti (42), ein Schreiner aus dem bündnerischen St. Peter, ist mit seinem zwölfjährigen Sohn hier. «Ich habe Dario versprochen, mit ihm ein Snowboard zu bauen. Nun sind wir hier, was für mich eine super Gelegenheit ist, mir meine eigenen Skier herzustellen», sagt Walti. Vater wie Sohn sind Wintersportler seit dem Kindergartenalter, Walti fuhr früher sogar im Nachwuchskader FIS-Rennen, doch von einem selbstgebauten Ski hat der Schreiner bislang nur geträumt. Die Oberfläche dafür hat er selbst mitgebracht: ein Furnier von einem Apfelbaum mit einem fleckigen Braunkern. Dario ist zunächst noch unsicher, ob ihm das natürliche Farbenspiel gefällt. Als er aber die Begeisterung der beiden Kursleiter Ben und Urs sieht, steht seinem neuen Freeride-Board nichts mehr im Weg. «Ich kann es kaum erwarten, bis ich damit erstmals einen Hang hinunterkurve», sagt Dario.

Bis es soweit ist, warten mindestens noch 100 Arbeitsschritte auf den Jungspund. «Vorkenntnisse braucht es keine, zwei linke Hände sollten die Teilnehmer aber auch nicht haben», sagt der hochgewachsene Urs, der mindestens einen Kopf grösser als Ben ist. «Fachlich wissen wir beide aber gleichviel», witzelt der kleinere Ben. Die Gruppe hat sich im Parterre der 400m2 grossen Halle verteilt. Während oben auf der Galerie der Gitarrenbaukurs hörbar ist, herrscht unten grosse Konzentration. «Kanten biegen erfordert viel Geduld und Präzision», sagt Urs, der mit seinem Kollegen Ben seit einigen Jahren Workshops anbietet. Anfänglich nur für Freunde in der Garage, seit einigen Jahren professionell unter dem Firmennamen Enlain, was romanisch «aus Holz» heisst. 

Die jüngste Teilnehmerin war neun Jahre alt, der älteste 80
Urs Welti, Elain

Die Nachfrage für Kurse steigt mit dem Bekanntheitsgrad von Enlain. «Die jüngste Teilnehmerin war neun Jahre alt, der älteste 80», berichtet Urs. Die Interessierten kommen aus allen Ecken der Schweiz, aus Österreich, Deutschland oder wie Nick sogar aus London. 

Schritt für Schritt zum Brett

Urs, Ben und weitere freiwillige Helfer stehen den Kursteilnehmern in allem mit Rat und Tat zur Seite. Wird der Ski hauptsächlich auf oder neben der Piste gefahren? Soll der Kurvenradius gross oder klein sein? Muss der Ski eher kurz oder lang, hart oder weich sein?

Dem Fahrbedürfnis entsprechend wird die Form gewählt und der Belag ausgeschnitten. Jetzt ist Claudia (34) mit dem Kantenbiegen dran. Ein Helfer kommt mit dem Gasbrenner, erhitzt das Metall, bis es weich wird und entlang der Skiform mit Sekundenkleber und Klammern fixiert werden kann. Regula (20) schneidet mehrere Schichten heimische Flachsfasern aus. Die Skier und Snowboards werden im Schichtverfahren hergestellt: Belag, Flachs, Holzkern, Flachs, Furnier, Epoxidharz hält alles zusammen. Das fertige «Sandwich» kommt in einen Vakuumsack, wird gepresst und über Nacht im Ofen getrocknet.

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen von Sägen, Schleifen und Fräsen. Das meiste ist manuelle Arbeit, für einzelne Schritte gibt es auch Handmaschinen. Als am Nachmittag die fertigen Skier und Snowboards geölt werden, zeigt sich, was ein perfektes Unikat ist. Wie in jedem Kurs ruft Urs alle Teilnehmer zu einem Gruppenfoto zusammen. Rundum strahlende und stolze Gesichter. «Mit meinem Sohn Laurin werde ich auch noch einen Ski und ein Snowboard bauen kommen», sagt Walti und grinst mit Sohn Dario um die Wette. 

Enlain

Der Name Enlain heisst auf romanisch «aus Holz». Urs Welti (48) und Ben Chick (35) haben die Firma 2016 gegründet. Die beiden Kreativköpfe und Schneesportlehrer sind Autodidakten und haben 2012 angefangen, Surfbretter zu bauen. Ein Jahr später kamen Ski- und Snowboards dazu. Heute bauen sie in Auftragsproduktion und Workshops Boards aller Art, vom Stand Up Paddle über Freeskis bis zum Skate- und Wakeboard.

www.enlain.com 

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