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«Erlebnisse sind die neuen Statussymbole»

Interview mit Erik Nissen Johansen 

«The Hide» ist seit Dezember 2018 offen. Wie oft waren Sie in Flims und was haben Sie vor Ort gemacht?
Bislang war ich viermal in Flims. Für das Projekt haben wir viel Recherche betrieben, uns die Umgebung sowie die anderen Hotels und Mitbewerber genau angeschaut. Unser Ziel war, eine Nische zu finden, mit der wir den Gästen neue, eindrückliche Erlebnisse bieten können. Dabei haben wir uns von allem inspirieren lassen. Vom wunderschönen blauen Caumasee, dem Crestasee sowie der herrlichen Bergwelt. Natürlich gab es auch zahlreiche Meetings mit den Besitzern, Betreibern sowie den Architekten vor Ort. Letzten Sommer war ich auch mal im Restaurant Galaaxy auf dem Grap Sogn Gion und habe die grossartige Aussicht genossen. Und am Eröffnungswochenende habe ich das Hotel sowie die angrenzenden Pisten geprüft. Flims ist wirklich ein besonders schönes Fleckchen. Ich bin ein Naturmensch und liebe die Berge.

Als Sie 1991 Ihre Agentur gründeten, wollten Sie die Hotelwelt etwas «funnier» machen. Was hat Ihnen nicht gefallen?
Damals war alles noch sehr konservativ und viele Hotels sahen ähnlich aus. Es gab die grossen Hotelketten wie Best Western, Hilton oder Choice Hotels. Inzwischen hat sich zum Glück vieles verändert. Ein Hotel kann heute auch ohne Zugehörigkeit zu einer Hotelkette erfolgreich und sexy sein. Dafür braucht es nebst einer guten Strategie ein tolles Produkt mit einer starken Identität, zum Beispiel mit einer Inneneinrichtung, die den Gast überrascht und glücklich macht. Beginnen nun die Leute darüber zu sprechen und twittern, Bilder vom Hotel in den sozialen Medien zu verbreiten, entsteht so etwas wie ein eigener Vertriebskanal. Ein Hotel ist heute ein Erlebnis-Produkt wie auch die Gastronomie. Und Erlebnisse sind die neuen Statussymbole. Teure Uhren oder Autos interessieren die Leute immer weniger, vielmehr wollen sie mit ihren Liebsten etwas entdecken und erleben. Mit unserer Arbeitsmethode, dem Storytelling, verkaufen wir unseren Kunden quasi das Lächeln des zukünftigen Gastes. 

«The Hide» ist das dritte Hotel, das Sie in der Schweiz realisiert haben. Obwohl zeitlich nah beieinander, hat jedes Haus eine einzigartige Handschrift. Wie erreichen Sie das?
Kopieren kommt für uns nicht in Frage. Mittels Storytelling entwickeln für jedes Hotel ein umfassendes Corporate-Identity-Werk, in dem von den Möbeln, Mustern, Farben, Formen bis hin zu den Zimmer- und Restauranteinrichtungen, der Musik und sogar den Logos alles definiert ist. Wichtig ist uns, dass alles wie aus einem Guss wirkt. Auch die Geschichte der drei Häuser ist unterschiedlich. Das Huus war ein bestehendes traditionelles Gebäude, die Spedition eine ehemalige Käserei-Spedition und in Flims hatten wir es mit einem komplett neuen Betonbau zu tun. Wir versuchen, in jedem Haus die Geschichte der Region sichtbar zu verankern.

Was ist die Story hinter «The Hide»?

Bei der Recherche liessen wir uns von der umliegenden Geologie inspirieren und wurden auf den Edelstein Geode aufmerksam.  Er wirkt von aussen grau und unscheinbar, innen aber funkelt und strahlt er. Diese Analogie zum Gebäude gefiel uns: Aussen nüchtern, innen ein funkelndes und strahlendes Hotel mit satten Farben und vielfältigen Formen. Das versteckte Juwel in den Schweizer Bergen.

Die Leute wollen ein Hotel, das ihrem Lifestyle entspricht

Der eine Gast bleibt eine Nacht, der andere eine Woche. Welche Erlebnisse möchten Sie bieten?

Ich empfehle jedem Gast, eine Woche zu bleiben (lacht). Denn je länger er bleibt, umso mehr kann er die tollen Restaurants geniessen, die herzliche Gastfreundschaft erleben und sich vom Ort inspirieren lassen. Das Einzigartige ist ja, dass man sein Auto im Haus parkieren und alles zu Fuss machen kann. Es ist die moderne Art, eine Auszeit zu nehmen. Die Piste ist gleich nebenan, die Restaurants sind im Haus, dazu ein Supermarkt, vier Kinosäle, eine Kindercity, Shops und vieles mehr. Auch die Aussicht ist grossartig. The Hide bietet eine Gestaltung, eine Atmosphäre, und eine Ausstrahlung, wie sie der Gast in einem Ferienhotel in den Bergen in dieser Form noch nie angetroffen hat.

Wie viele Ihrer Ideen können Sie jeweils umsetzen? Wie viele scheitern oder fallen dem Budget zum Opfer?

Ich glaube, wir setzen fast alle unserer Ideen um. Klar müssen wir manchmal Anpassungen vornehmen, aber unsere Auftraggeber und wir verfolgen immer das gleiche Ziel: dass das Projekt erfolgreich wird. Dafür hören wir unseren Klienten gut zu und erstellen sowas wie einen emotionalen Business-Plan. Das ist wie ein Skript zu einem Film, an das sich alle Beteiligten halten können und dessen Umsetzung Freude macht. 

Was macht den heutigen Gast glücklich? Was sucht er?

In der Hotellerie ist es heute ein bisschen wie im Modebusiness. Die Leute wollen ein Hotel, das ihrem Lifestyle entspricht. Sie wollen emotional angesprochen werden. Geschieht das, sind sie bereit, mehr zu zahlen. Es gibt Gäste, die immer etwas Neues suchen und jene, die Teil der Familie werden.

Was bedeutet für Sie Luxus?
Luxus ist das, von dem man nicht zu viel hat. Da ich beruflich sehr eingespannt und oft unterwegs bin, ist es für mich Luxus, wenn ich Zeit mit meinen Kindern verbringen und lustige Dinge unternehmen kann. Ich selber liebe es, fischen zu gehen.

Luxus ist das, von dem man nicht zu viel hat

Erik Nissen Johansen

Der norwegische Künstler Erik Nissen Johansen liebt kreative Konzepte und herausfordernde Projekte. 1991 gründete er im schwedischen Göteborg die Agentur Stylt Trampoli, die heute 40 Mitarbeitende und zahlreiche Freelancer beschäftigt, darunter Künstler, Designer, Architekten, Interior Designer, Ingenieure, Marketingexperten, Texter und Art Directors. Bis heute hat Stylt Trampoli über 400 Restaurants und rund 250 Hotels realisiert, davon drei in der Schweiz. Erik Nissen Johansen (53) ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Preise für MGM-Gruppe

Das Hotel Spedition in Thun wurde 2017 zum Hotel mit dem schönsten Interieur in ganz Europa ausgezeichnet und gewann den Weltpreis der Unesco. Das Hotel Huus in Gstaad gewann 2017 gleich mehrere Auszeichnungen des prestigeträchtigen «AHEAD»-Awards Europe (Awards für Hospitality, Experience und Design). Das «Huus» ist aktuell für den Design Award Germany 2019 nominiert sowie für den «AHEAD»-Awards Global 2019.